04 März

Eröffnung der Ausstellung "Holocaust: Vernichtung, Befreiung, Rettung" im österreichischen Parlament

Am 1. März 2019 wurde im österreichischen Parlament im Beisein von Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka die Wanderausstellung "Holocaust: Vernichtung, Befreiung, Rettung" eröffnet, die über den Ausmass der Judenverfolgung im vom Dritten Reich okkupierten Teil der UdSSR und die Rolle der Roten Armee bei der Rettung europäischer Juden erzählt. Die Ausstellung wurde vom Moskauer Wissenschafts- und Bildungszentrum «Holocaust» und dem Russischen jüdischen Kongress organisiert. Russlands Botschafter in Österreich, Herr Dmitrii Liubinskii, sprach Grußworte.

Sehr geehrter Herr Nationalratspräsident,
sehr geehrter Herr Altman, уважаемый Илья Александрович,
Sehr geehrte Frau Lesing,
Sehr geehrter Herr Botschafter Haindl,
meine Damen und Herren!

Es ist für mich eine große Ehre, hier in Hofburg bei der Eröffnung der Dokumentarausstellung „Holocaust: Vernichtung, Befreiung, Rettung“, die vom russischen Forschungs- und Bildungszentrum „Holocaust“ und dem Russischen Jüdischen Kongress vorbereitet wurde, auftreten zu dürfen.

Die Holocaust-Verbrechen gehören zu den schrecklichsten in der Geschichte der Menschheit. Die Nazis und ihre Mithelfer haben 6 Millionen Juden, das heißt 60 Prozent der jüdischen Bevölkerung Europas vernichtet.

Einen ungeheuren Preis für den Sieg über den Faschismus hatte das multinationale sowjetische Volk zu zahlen: fast 27 Millionen Menschen kamen ums Leben, 18 Millionen davon Zivilisten.

Die Rote Armee leistete einen entscheidenden Beitrag zur Befreiung Österreichs und Europas vom Faschismus. Sie schenkte auch den Häftlingen der Vernichtungslager in Auschwitz, Maidanek, Treblinka, Ravensbrück, Sachsenhausen, Sobibor und vielen anderen die lang ersehnte Freiheit. Letztes Jahr wurde in Wien und Graz der russische Spielfilm „Sobibor“ anlässlich des 75. Jahrestages des Aufstandes in diesem Konzentrationslager vorgeführt. Das war der einzige erfolgreiche Ausbruch aus einem Vernichtungslager, der vom sowjetischen Offizier Aleksander Petschorskij organisiert wurde. Heute vor einer Woche war sein 110. Geburtstag.

Ich bin dessen sicher, dass die heute eröffnete wichtige Ausstellung, die bereits im UNO-Hauptquartier in New York, selbstverständlich in Russland, aber auch z.B. in Argentinien, Deutschland, Frankreich, Israel, der Tschechischen Republik, Uruguay, den USA – das heißt bereits auf vier Kontinenten – präsentiert wurde, erinnert immer wieder an die Notwendigkeit, das Andenken an die Holocaust-Opfer zu bewahren sowie an die absolute Unannehmbarkeit jeder Versuche, die Nazi-Verbrechen zu rechtfertigen. Die Verbrechen gegen die Menschlichkeit haben keine Verjährung. Die Urteile des Internationalen Militärgerichtshofes Nürnberg sind endgültig und nicht anfechtbar.

Wir beobachten aber heutzutage mit großer Sorge bedauerliche Tendenzen einer schleichenden Rehabilitierung des Nazismus in einigen europäischen Ländern sowie der Revision der Geschichte des Zweiten Weltkrieges. Die Opfer und ihre Henker werden gleichgestellt. Besonders zynisch sehen die Schändungen der Mahnmahle zu Ehre der sowjetischen Soldaten oder sogar der gemeine „Krieg gegen Denkmäler“ aus. Im Vergleich dazu möchte ich den achtungsvollen und sorgsamen Umgang der österreichischen Behörden und BürgerInnen mit der Pflege der sowjetischen Mahnmahle und Kriegsgräber hervorheben, obwohl Schändungen leider auch hier vorkommen. Die bekommen aber die entsprechende Reaktion in der Politik und in der Bevölkerung.

Unsere heilige Pflicht ist es, die Tragödie des Zweiten Weltkrieges, dessen Ende 2020 zum 75. Mal jährt, nie wiederholen zu lassen. Deshalb ist es besonders wichtig für die jüngere Generation, diese historischen Ereignisse in Andenken wachzuhalten. Und wir machen heute gerade das im Rahmen der russisch-österreichischen Jugendjahres 2019.

Wir müssen uns auch an den Heldenmut einfacher Bürger erinnern, die ungeachtet der Todesgefahr Juden sowie ausgebrochene Häftlinge der Konzentrationslager beherbergten.

Ich möchte mich beim Nationalrat der Republik Österreich und persönlich beim Herrn Präsidenten Sobotka für die Unterstützung der Veranstaltung dieser dokumentarischen Exposition herzlich bedanken. Die aktuellen russisch-österreichischen interparlamentarischen Beziehungen entwickeln sich vorwärts. Herr Präsident Sobotka war im Dezember vorigen Jahres mit einem offiziellen Besuch in Russland.

Unser besonderer Dank gilt dem russischen Forschungs- und Bildungszentrum „Holocaust“, seinem Vorsitzenden Ilja Aleksandrowitsch Altman und dem Russischen Jüdischen Kongress.

Ich bin mir sicher, dass diese Ausstellung hier in Hofburg im Laufe des Monats für viel Interesse und Aufmerksamkeit sorgt.