BOTSCHAFT DER RUSSISCHEN FÖDERATION IN DER REPUBLIK ÖSTERREICH
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Replik des Pressedienstes der Botschaft zum Gastbeitrag „Gereizte Stimmung in Putins Wagenburg“


O tempora, o mores! Gegen das Staatsoberhaupt einer Weltmacht wird eine absurde, absolut unbegründete und beleidigende Anschuldigung gemacht. Und dieser offensichtliche politische Fehltritt wird von einigen als regelrechter Aufruf wahrgenommen!
Vorbei sind die Zeiten des Wiener Kongresses, als ein hingeworfener Handschuh durchaus ernsthafte Konsequenzen bedeutete. Heutzutage kümmert es manchen nicht mehr, was hinter dem gesagten oder geschriebenen steht bzw. folgt und ob die Reaktion auf unbegründete Anschuldigungen überhaupt zu erwidern ist.
So jongliert auch der „langjährige Außenpolitikexperte“ der „Presse“ bei seinem Versuch eine Diskussion über die angebliche „Wagenburg-Mentalität“ oder „antiwestliche Paranoia des Machthabers in Moskau“ zu veranlassen gelassen mit Behauptungen, für die er sich überhaupt keine Mühe gibt Fakten zu liefern. Für ihn ist eh alles offensichtlich!
Wir erlauben uns aber wenigstens einige der vielen aufkommenden konkreten Fragen Herrn Bischof zu stellen.
1. Wo und wann hat der „kollektive Westen“ Russland die Hand gereicht und Hilfe angeboten (altruistisch vielleicht?) das Land wieder aufzurichten? Wir haben es irgendwie verpasst. Wo bleibt die ausgestreckte Hand jetzt?
2. Sind Sie wirklich der Meinung, dass Russland von freundschaftlich gesinnten NATO-Staaten umgeben ist? Warum dann die stetige Ausweitung des Blocks dessen Militäretat 43 (!) Mal größer ist, als das russische entgegen allen gemachen politischen Versprechen und die Platzierung von Raketenabwehrsystemen an den Grenzen unseres Landes?
3. Und zum Thema Doppelstandards. Erscheint es Ihnen gerecht, dass ein verfassungswidriger Umsturz in der Ukraine von den westlichen Ländern unbemerkt blieb, nur weil er für Russland ungünstig war? Merken Sie nicht, dass alles, was in Kiew passiert, vom Westen geduldet oder gar unterstützt wird, falls es denn gegen die russische Bevölkerung und die russische Sprache im klaren Wiederspruch zu auch in Europa geltenden humanitären Normen, was auch heißt gegen die russischen Interessen ist, einschließlich der Tätigkeit rechtsradikaler und ultranationalistischer Gruppierungen?
Man darf die Begriffe nicht auf den Kopf stellen und Vorgänge nur so deuten, wie sie zu der eigenen Weltanschauung passen. Das internationale Recht wird von den USA und ihren Verbündeten regelrecht durch „auf Regeln beruhende Ordnung“ ersetzt, diese wird auch gerne zum Schutz der eigenen Interessen missinterpretiert und eingesetzt. Wie eine solche Ordnung funktioniert zeigt das Beispiel der völkerrechtswidrigen Luftangriffe auf Jugoslawien 1999.
Um unter schwierigen Umständen die Reihen geschlossen zu halten bedarf es eines kollektiven Feindes, und da kommt das böse Russland, das alle Vorgänge auf der Welt im Alleingang beeinflusst und sich überall einmischt ja ganz gelegen! Solche Beiträge tragen zum Bild des angsterregenden östlichen Nachbars ganz gekonnt bei.
Wir verstehen natürlich, dass die Meinung des ehemaligen langzeitigen Außenpolitikexperten und Leiter des Debattenressorts, die an eine Fortsetzung der russlandfeindlichen Paranoia erinnert, eine persönliche ist und nicht der Redaktionspolitik von „Die Presse“ entspricht. Wir würden deshalb vorschlagen es in die neue Rubrik „Politjonglieren“ zu stellen.


Replik zum Gastbeitrag
„Gereizte Stimmung in Putins Wagenburg“
von Burkhard Bischof in der Zeitung Die Presse. Ausgabe vom 29. März 2021: https://bit.ly/3m9X4k0