BOTSCHAFT DER RUSSISCHEN FÖDERATION IN DER REPUBLIK ÖSTERREICH
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Aus dem Interview des Botschafters Russlands in Österreich Dmitrij Ljubinskij den russischen Medien anlässlich des 75. Jahrestages der Befreiung Wiens


In diesem Jubiläumsjahr war die Tätigkeit der Botschaft in vielerlei Hinsicht auf dieses wichtige historische Datum zugeschnitten. Wir haben einen großen Plan an Veranstaltungen vorbereitet, viele davon hätten mit der Teilnahme unserer österreichischen Partner stattfinden sollen, einschließlich des heutigen Datums. Aber wegen der strikten Corona-Eindämmungsmaßnahmen, welche die Regierung Österreichs als eine der ersten in Europa getroffen hatte, waren wir natürlich gezwungen, wesentliche Korrekturen vorzunehmen. Manche Veranstaltungen finden heuer im Online-Format statt: zum Beispiel Ausstellungen und andere Projekte. Einige wurden aufgeschoben. Aber das heutige Datum, der 13. April, Tag der Befreiung Wiens ist für alle russischen Diplomaten, die in Österreich tätig sind, selbstverständlich ein heiliges Datum. Wir sind sehr darüber erfreut, dass trotz aller Schwierigkeiten und Einschränkungen wir bei den österreichischen Behörden auf Verständnis getroffen sind. Wir konnten unsere traditionelle gemeinsame Gedenkaktion mit den GUS-Staaten an unserem Hauptdenkmal an einem der zentralen Plätze Wiens am Heldendenkmal der Roten Armee am Schwarzenbergplatz nicht durchführen. Aber es wurde uns gestattet, individuelle Kranzniederlegungen zu organisieren. Gerade vor 2 Stunden, um 10 Uhr morgens Wiener Zeit, haben wir gemeinsam mit dem Verteidigungsattache der Russischen Föderation in Wien einen Kranz zum Denkmal am Schwarzenbergplatz niedergelegt. Zeitversetzt haben das meine Kollegen, die Ständigen Vertreter der Russischen Föderation bei der OSZE und den Internationalen Organisationen in Wien Alexander Lukaschewitsch und Mikhail Ulyanow gemacht. Diese Möglichkeit haben auch unsere Freunde und Kollegen, die Botschafter der GUS-Staaten bekommen. Derzeit nehmen sie unsere gemeinsame heilige Pflicht wahr – der sowjetischen Kämpfer zu gedenken, individuell und mit einem zeitlichen Abstand.

16 Tausend Rotarmisten sind im Laufe der Kämpfe um Wien ums Leben gekommen, 26 Tausend in ganz Österreich. Wenn wir sowjetische Kriegsgefangene, KZ-Häftlinge (vor allem in Mauthausen) und Zwangsarbeiter mitrechnen, so erreicht diese Zahl 80 Tausend Menschen. In Österreich gibt es 217 Denkmäler und Kriegsgräber. Mitarbeiter russischer Vertretungen in Österreich, darunter auch der Botschaft, ständigen Vertretungen bei der OSZE und den Internationalen Organisationen in Wien, der Handelsvertretung, des Russischen Kulturinstitutes, besuchen jedes Jahr planmäßig etwa ein Viertel dieser Gedenkstätten. Nach diesem Besuch verfassen wir ein offizielles Dokument, eine Verbalnote, in der wir unsere Anmerkungen formulieren. In absoluter Mehrzahl der Fälle beseitigen unsere Partner mit Unterstützung des Bundesinnenministeriums, das die Gedenkarbeit betreut, und natürlich der Behörden der Bundesländer, alle Probleme rechtzeitig und qualitativ.

Ein weiteres wichtiges Denkmal und eine wichtige Gedenkstätte, die wir jedes Jahr in dieser Tage besuchen, ist der Wiener Zentralfriedhof, wo es auch viele Kriegsgräber gibt. 2017 wurde hier mit der Unterstützung der Russischen Militärhistorischen Gesellschaft ein Gedenkobelisk aufgestellt, aber die Arbeit wurde damit nicht beendet. Da viele Namen der Kriegsgefangenen unbekannt waren, benötigte man eine gründliche mühsame Arbeit in den Archiven. Diese haben Aktivisten, unsere Freunde unter Landsleuten geleistet. Wir sind sehr erfreut, dass auf dem Zentralfriedhof trotz der geltenden verständlichen Einschränkungen erst vor ein paar Tagen, bereits im April unser Projekt abgeschlossen wurde und Gedenkstelen mit den Namen von 170 Rotarmisten aufgestellt worden sind. Wir haben vor, diese Gedenkstätte morgen zu besuchen. Wir haben auch darauf nicht verzichtet, eine große Zeremonie aus diesem wichtigen Anlass für unsere Gedenkarbeit zu veranstalten. Wir haben einige Familien der Rotarmisten kontaktiert, deren Namen wir jetzt kennen. Und wenn die Lage es zulässt, vielleicht Anfang Herbst, werden wir eine feierliche Zeremonie gemeinsam mit unseren Partnern aus den österreichischen Bundesministerien und der Landesregierung, unseren Freunden, durchführen.

Die Pflichten der Republik Österreich sind im Artikel 19 des Staatsvertrages über die Wiederherstellung eines unabhängigen und demokratischen Österreichs von 1955 festgelegt. Ich kann mit voller Verantwortung behaupten, dass diese Verpflichtungen sehr penibel und gründlich eingehalten werden, und zwar nicht nur aus rein juristischer Sicht. Ich denke, dass es nicht minder wichtig ist, wie man dazu in der Gesellschaft steht. Deshalb finden all unsere Vorschläge zu neuen Projekten oder unsere Anmerkungen zur Situation über das ein oder andere Denkmal immer Gehör und bekommen eine schnelle und richtige Reaktion. Das Gesellschaftsbewusstsein in Österreich reagiert in diesem Fall absolut angemessen. Das gilt auch zur historischen Verantwortung. Es ist bekannt, dass die Geschichte der Republik Österreich vielerlei tragische, schwarze Seiten gekannt hatte. Das wird nicht vertuscht, was sehr wichtig ist. Das ist die Linie der österreichischen Führung, welche großen Respekt verdient, vor allem im Verhältnis zu der Situation in anderen Ländern.

Wir möchten bemerken, dass auch jetzt, wenn strikte Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Infektion gelten, und die Rechtsschutzorgane in die Kontrolle Ihrer Befolgung involviert sind, in regulären Abständen, das habe ich selbst gesehen, auf dem Schwarzenberplatz ein Polizeiauto erscheint. Ich denke, dass es ein weiteres Beispiel dafür ist, mit welcher Aufmerksamkeit die Österreicher und die österreichischen Behörden sogar eine Möglichkeit der Verübung von rechtswidrigen Handlungen gegen die sowjetischen Kriegsdenkmäler behandeln. Und wenn man bedenkt, dass in der Vergangenheit solche Aktionen mit für uns überaus wichtigen historischen Daten und Anlässen verbunden waren, ist die Tatsache, dass unter Umständen solcher Einschränkungen das österreichische Innenministerium und die Wiener Polizei doch die Möglichkeit finden der Gewährleistung der Sicherheit sowjetischer Monumente Aufmerksamkeit zu schenken, Gold wert.