BOTSCHAFT DER RUSSISCHEN FÖDERATION IN DER REPUBLIK ÖSTERREICH
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Wiener Symbol für Freiheit und Frieden

75 Jahre prägt das Befreiungsdenkmal am Schwarzenbergplatz das architektonische Bild eines der schönsten Plätze im Zentrum der österreichischen Hauptstadt. Es ist ein besonderes Symbol der russisch-österreichischen und sogar europäischen Geschichte. Am 19. August 1945 enthüllt, war es das erste Denkmal dieser Art zu Ehren der im Zweiten Weltkrieg gefallenen sowjetischen Soldaten in Europa.

Der Bildhauer Michail Intisarjan (Lehrling der berühmten sowjetischen Bildhauerin Wera Muchina, bekannt durch ihre Figurengruppe „Arbeiter und Kolchosbäuerin“ in Moskau), der Architekt Sergej Jakowlew und der Bauingenieur Mendel Scheinfeld (nach dem Krieg am Bau des Fernsehturms „Ostankino“ sowie des Leninskij Prospekt in Moskau beteiligt) wurden mit dem Bau des Heldendenkmals beauftragt. Kaum 3 Monate vergingen vom ersten Modell des Denkmals, der von Michail Intisarjan aufgrund des Mangels an besseren Materialien aus Brot, Speck und einer leeren Flasche ausgefertigt wurde, bis zu seiner feierlichen Enthüllung. Später wurden die Autoren des Denkmals mit der Staatsauszeichnung, dem Orden des Vaterländischen Krieges geehrt, Michail Intisarjan erhielt auch den Titel „Verdienter Künstler“. Insgesamt 400 Menschen haben an diesem Monument Tag und Nacht gearbeitet. Dabei wurden 300 Kubikmeter Marmor und Granit verarbeitet und 4500 Kubikmeter Erde bewegt. Die 15 Tonnen wiegende und 12 Meter große Bronzefigur des Soldaten, für die ein gewisser Rotarmist aus Sibirien namens Petja Modell stand (sein voller Name ist unbekannt, die Sammelgestalt symbolisiert doch alle Rotarmisten, die im Kampf gegen den Faschismus gefallen sind), steht auf einem 20 Meter hohen Sockel mit der sowjetischen Fahne in der rechten Hand und dem sowjetischen Wappenschild in der linken Hand. 

Der Obelisk ist von einer halbrunden, 8 Meter hohen Balustrade mit 26 Säulen umgeben, die an beiden Enden von einer Gruppe kämpfender Soldaten begrenzt wird.

Auf der Stirnseite des Sockels ist der Befehl Nr. 334 des Oberbefehlshabers und Marschalls der Sowjetunion Josef Stalin an den Kommandanten der Truppen der 3. Ukrainischen Front, Marschall der Sowjetunion Tolbuchin und den Leiter des Frontstabes Generalleutnant Ivanov in vergoldeter Inschrift eingraviert. Auf beiden Seiten befinden sich unter der Inschrift „Den Heldentod starben die in den Kämpfen um die Befreiung der Stadt Wien“ insgesamt 52 Namen von Gefallenen, darunter 3 Namen von Helden der Sowjetunion, der höchsten Staatsauszeichnung der UdSSR, und der Name einer Frau, Nadezhda Sotova – Starschina (Feldwebel) des medizinischen Dienstes.

Das Denkmal wurde am 19. August 1945 im Rahmen einer großen Feier in Anwesenheit der provisorischen Regierung Österreichs, Vertreter der Alliiertenmächte sowie Zehntausender Zuschauer enthüllt und vom sowjetischen Oberbefehlshaber dem Wiener Bürgermeister übergeben. Im Vorfeld wurde auch der 1873 gebaute Hochstrahlbrunnen repariert. Die Stadt Wien verpflichtete sich dabei, das Denkmal instand zu halten, zu restaurieren und zu bewachen. Staatskanzler Karl Renner, Staatssekretär Leopold Figl, KPÖ-Vertreter Ernst Fischer und Bürgermeister Wiens Theodor Körner sprachen von „der Dankbarkeit aller Wiener und Österreicher für die Befreiung“. Anschließend fand eine große Militärparade statt, an der Truppen der sowjetischen 13. Garde-Schützen-Division, der britischen 8. Armee, der 42. US-Infanterie-Division und einige französische Kompanien teilnahmen.

In vielen österreichischen Zeitungen vom August 1945 erschienen Artikel über die Enthüllung des Denkmals.

In der Nähe des Heldendenkmals gab es damals auch einen Heldenfriedhof (die Gefallenen wurden vorerst an Ort und Stelle begraben), vor dem der sowjetische Jagdpanzer SU-100 aufgestellt war. 1956 fand nach Abstimmung mit der sowjetischen Seite die Exhumierung der sterblichen Überreste der drei bei der Befreiung Wiens gefallenen Soldaten und ihre feierliche Wiederbestattung auf dem Wiener Zentralfriedhof statt. Das Panzerdenkmal steht seit 1988 im sogenannten „Panzergarten“ des Heeresgeschichtlichen Museums Wiens.

Zum 60. Jahrestag der Befreiung Wiens und der Errichtung des Denkmals wurde 2005 das Buch „Das Wiener Russendenkmal. Architektur, Geschichte, Konflikte“ (Verlag Turia+Kant) veröffentlicht, dessen Präsentation in der Russischen Botschaft stattfand. In Moskau erschien eine Postmarke, auf der das Denkmal abgebildet war. 2016 wurde es auch auf einer russischen Münze der Serie „Hauptstädte Europas, die von der Roten Armee vom Faschismus befreit worden sind“ abgebildet.

Übrigens kann man sich das Befreiungsdenkmal am Schwarzenbergplatz nicht nur in Wien ansehen. Sein erhaltenes Modell gehört zur Exposition des Zentralmuseums der Streitkräfte der Russischen Föderation. Zurzeit wird es im Museum der Kriegsfolgen „1418“ (die Dauer des Großen Vaterländischen Krieges) neben der vor kurzem eingeweihten Hauptkirche der Streitkräfte der Russischen Föderation bei Moskau ausgestellt. 2015 wurde es auch im Wiener Künstlerhaus im Rahmen der Ausstellung „Wien – 70. Jahrestag der Befreiung – 60. Jahrestag des Staatsvertrags“ präsentiert. Es gibt auch Vereinbarungen, das Modell des Heldendenkmals im Rahmen einer thematisierten Exposition im Jüdischen Museum Wien auf dessen Bitte im Frühling 2021 auszustellen.

In diesen 75 Jahren wurde das Heldendenkmal stummer Zeuge verschiedener Ereignisse. Obwohl es durch den Artikel 19 des Staatsvertrages geschützt ist, wurde es mehrmals von Vandalen angegriffen. In den letzten fünf Jahren gab es leider sieben Schändungen mit Farbe. Wir sind der österreichischen Seite dankbar für die Installierung von Videoüberwachungskameras vor dem Denkmal im vergangenen Jahr.

Die Erinnerungskultur und das Entgegenwirken der Versuche, unsere gemeinsame Geschichte umzuschreiben ist heute aktueller denn je und es bedarf einer ganz besonderen Aufmerksamkeit bei der Erziehung der jüngeren Generationen. Das Heldendenkmal am Schwarzenbergplatz als Symbol der Befreiung vom Faschismus für Freiheit und Frieden in Europa ist ein unentbehrlicher Teil unserer gemeinsamen Geschichte. Wir müssen uns öfters daran erinnern, um ein friedliches Leben weiterhin zu gestalten und die Herausforderungen der modernen Welt zusammen bewältigen zu können.